Aktuelle Lese-Empfehlungen der Bibliotheksmitarbeiterinnen

Ulrike Draesner: Eine Frau wird älter. Ein Aufbruch.

Das Werk der diesjährigen Lavant-Lyrikpreisträgerin umspannt sowohl Prosa wie Essays und Romane. In diesem literarischen Essay erkundet sie die Wechseljahre entlang dem eigenen Erleben, den Veränderungen, die „Älterwerden“ als Frau bedeutet und welchen Stellenwert gesellschaftlich den älteren und alten Frauen (noch immer) zugewiesen wird – mit unbestechlichem Blick. Sie schlägt oft einen leicht(er)en Ton an, auch wenn sie bewundernswert offen eigene Schwierigkeiten beschreibt im Zuge der einsetzenden Wechseljahre. Eine wohltuende, nachdenklich stimmende Lektüre für die Frau ab…?

Bonnie Garmus: Eine Frage der Chemie (engl. Lessons in Chemistry)

Elizabeth Zott ist die Hauptdarstellerin dieses witzigen Romans, der in den 1950er Jahren spielt, in denen Frauen nicht nur in der Chemie noch nicht ernst genommen wurden und in der Zott als Chemikerin und Fernsehköchin eine kleine feministische Revolution auslöst. Unterhaltsam, schräg, lehrreich. Zu Recht ein Bestseller.

Vigdis Hjorth: Wiederholung.

Eine Mutter, die ihre 16jährige Tochter drangsaliert und überwacht, ein Geheimnis, das gehütet werden muss, das nicht erinnert werden darf. Mit schmerzhafter Beharrlichkeit und Präzision dringt Vigdis Hjorth in das Zentrum eines Geschehens vor, das die Tochter nur um Haaresbreite überlebt und das auch nach dreißig Jahren noch als Geahntes/Gewusstes an den Grenzen des Sagbaren angesiedelt bleibt. Große Leseempfehlung.

Anne Holt: Zwölf ungezähmte Pferde.

Ein Krimi, wie er sein soll: spannend, vielschichtig, mit Charakteren, die überzeugen, denen man hingebungsvoll folgt. Ein Muss für alle Hanne Wilhemsen-Fans. Anne Holt at her best.

Birge Krondorfer, Irmtraud Voglmayr (Hg.): Krieg und Friedensbewegung: Feministische Perspektiven.

Hat eine Friedensbewegung überhaupt in diesen Zeiten eine Chance? Bertha von Suttner kämpfte dafür, Marlene Streeruwitz plädiert für Liebe statt Patriarchat und Krieg. Lassen wir uns unsere Utopie von einer gerechteren Welt nicht nehmen. Dieser Sammelband zeigt einen interdisziplinären Blick auf die fatalen Auswirkungen von Kriegen auf die Geschlechterbeziehungen und das Alltagsleben.

Elke Laznia: fischgrätentage.

Mit Sätzen und Wendungen wie in meinem Hals wohnt eine Katze aus Papier oder hatten nicht damit gerechnet / dass eine kommt und dir auf den / Leim geht zieht einen das „lyrische Ich“ in seine fischgrätentage. Dazwischen spricht ein „Wir“ und entwirft Erinnerungsbilder, umkreist Abschiednehmen. Die klare, poetische Sprache fesselt und entführt zu kurzen, reimlosen Gedichten und verlockt zum Hin- und Her-Lesen zwischen Seiten und Zeilen und zum Verweilen bei Fragen: wie können wir das / Zerbrechliche dieser Welt/ in der Schwebe halten – der Eindruck vom Schweben, Fließen wird verstärkt durch das Fehlen jeglicher Satzzeichen.

Petra Pellini: Der Bademeister ohne Himmel.

Eine zarte, heiter-melancholische Geschichte über eine einzigartige Freundschaft, über Demenz und das Erwachsenwerden. Wunderbar erzählt.

Anna Rottensteiner: „Mutterbande“.

Vor dem Hintergrund des Zerfalls der österreichischen Monarchie und der Entstehung der Grenze zwischen Italien und Österreich erzählt Anna Rottensteiner vom Fremd-Sein und Dazwischen-Sein über Generationen von Frauen hinweg, vom Weggehen (müssen) und Weggegeben werden, von der Sehnsucht nach Rückkehr und von der Suche nach Zugehörigkeit, die sich nicht einstellen will zwischen zwei Welten, zwei Ländern, zwei Sprachen. Konsequent mit den weiblichen Stimmen erzählt.

Almut Schnerring, Sascha Verlan: Die Rosa-Hellblau-Falle.

Für eine Kindheit ohne Rollenklischees. Ein Buch, das in Buchhandlungen – so die AutorInnen in der Einleitung – häufig im „Mutter und Kind“-Regal zu finden ist. Dabei betreffen Rollenklischees im Spielwarenhandel, auf Spielplätzen und im Kleiderschrank nicht nur die Mütter und die Kinder, sondern uns als Gesellschaft. Das und wie sehr sie uns auf dem Weg zum gleichberechtigten Miteinander Aller im Wege stehen und gar blockieren, wird in diesem Buch spannend und humorvoll dargestellt. Bei uns zu finden im Regal „Geschlechterverhältnis (GV).

Aktuelle Rezensionen aus der Zeitschrift aep-informationen Nr. 2/2025

Die rezensierten Bücher können in der AEP-Frauenbibliothek ausgeliehen werden

Imhof, Agnes. Feminismius – Die älteste Menschenrechtsbewegung der Welt. DuMont Verlag. Von den Anfängen bis heute. Andrea Rothe

Siegelberg, Mira L. Staatenlosigkeit – Eine moderne Geschichte. Hamburger Edition, Claudia Brugger

Fuchs, Britta. Unstillbar. Über die vielen Dimensionen des Stillens, ständige Bewertung und echte Selbstbestimmung. Haymon. Elisabeth Grabner-Niel

Wiesental, Ann. Antisexistische Awareness. Ein Handbuch. Unrast Verlag. Evelina Haspinger

Feist-Merhaut, Katharina. sterben üben. Roman. Otto MüllerVerlag, Evelina Haspinger

Grande, Valentina; Rosetti, Eva. Getrude Stein und ihr Salon der Künste. Knesebeck Verlag, Isabella Hafele

Frasl, Beatrice. Entromantisiert Euch! Ein Weckruf zur Abschaffung der Liebe. Haymon, Sara Kröll

Appel, Margit; Prainsack, Barbara. Arbeit – Care – Grundeinkommen. Mandelbaum Verlag, Sara Kröll

Mohn, Kira. Die Nacht der Bärin. Roman. Harper Collins. Stefanie Haselwanter

Pauty, Michèle Yves.Familienkörper. Roman. Haymon. Sylvia Aßlaber

Abou, Tanja. Klassismus im Bildungssystem. Unrast Verlag. Sylvia Aßlaber

El-Mafaalani, Aladin. Das Integrationsparadox. Warum eine gelungene Integration zu mehr Konflikten führt. Kiepenheuer & Witsch. Sara Jacobs

Alexopoulou, Maria. Rassistisches Wissen in der Transformation der Bundesrepublik Deutschland in eine Einwanderungsgesellschaft (1940-1990). Wallstein Verlag. ‚Carina Fritz